ZV 12150: ; Der Papisten Handbüchlein (gereimt)


VD 16-Nr.: ZV 12150

Kurztitel: Der Papisten Handbüchlein (gereimt)

Druckort: -

Erscheinungsjahr: 1563


Weitere Druckausgaben:


VD 16: -

Das Römische Agendtbüchlein

o. O. 1572

Darmstadt ULB: 31/4357



VD 16: P 311

In: Der Bäpstischen Catechismus, nach dem Wittenbergischen Cathechismo verstellt, durch Verordnung des Concilii zu Trient

o. O. 1581


VD 16-Link

ZV 12150



Autor:

Unbekannt, Unterschrift am Ende: “Al. Pf.”



Drucker:

vermutlich Philipp Köpfel

Begründung dieser Annahme:

Die Illustrationen stammen aus der Bibel, die Wolfgang Köpfel 1529/30 in Straßburg herausbrachte (VD 16: B 2686 – einen Teil der Auflage 1530 auch noch mit Veltin Kobian, vgl. VD16: ZV 1469. Im letzten Teil von 1532 ohne Illustrationen der Apokalypse). Seine Söhne und Erben zogen 1557 nach Worms. 1560 druckte Paul Köpfel die Bibel mit den alten Illustrationen noch einmal (VD 16: ZV 1493). Danach übernahm sein Bruder Philipp die Offizin, aber schon 1563 endete auch seine Tätigkeit, vermutlich ist er in diesem Jahr gestorben (ein Erbe Wolfgang Köpfel d. J., von dem Reske S. 1021 spricht, existierte nicht. Es gibt später nur noch einen einzelnen Wormser Druck von einem sonst nicht bezeugten David Köpfel von 1573 (VD16: H 565), ohne Illustrationen). Philipp Köpfel könnte daher der Drucker des Handbüchleins sein.

Dann wären er und sein Bruder auch die Drucker verschiedener unfirmierter Ausgaben der deutschen Übersetzung von Thomas Naogeorgs “Regnum Papisticum”, von denen mehrere den gleichen Titelholzschnitt wie das Handbüchlein aufweisen (o. O. 1556, VD16: K 988; o. O. 1557, VD16: K 989; o. O. 1563, VD16: K 991; o. O. 1563, nicht im VD16, vorh. in Darmstadt ULB: 31/4016 - allerdings im Katalog fälschlich mit dem Datum 1568; dagegen: o. O. 1555, anderer Titelholzschnitt; VD16: K 987; o. O. 1560, ohne Titelholzschnitt; VD16: K 990).

Die Übersetzung von Naogeorgs Text trägt den Titel “Das Bäpstisch Reich” und stammt von Burkhard Waldis.


Druckort:

vermutlich: Worms



Standort(e) im VD16:

Berlin SB

Nürnberg StB

Ulm StB


weitere Standorte:

(In der Regel sind diese Standortangaben den Bibliothekskatalogen oder Verbundkatalogen entnommen. Daher ist nicht absolut sicher, dass die Exemplare tatsächlich der beschriebenen Ausgabe entsprechen. Wenn ein Exemplar autoptisch überprüft wurde, wird dies ausdrücklich vermerkt.)


Krakau BJ: Yg 9365, (ehemals Berlin SB)

Stuttgart WLB: Theol.qt. 3002


Vorlagen:

  • Die Schrift ist eine Versifizierung einer Flugschrift von 1546 von 6 Blatt Umfang, die denselben Titel wie die Versifizierung trägt:

“Der Papisten Handbüchlein, fleißig zumercken, vnd heymlich zu lesen, damit es die Leyen, denen der Bapst die heylige Schrifft zulesen verbotten, nicht erfaren” (o. O. 1546; VD16: P 305 und P 306)

In ihr werden einige Sätze aus den Ständebelehrungen am Ende des Kleinen Katechismus von Luther in satirischer Weise in ihr Gegenteil umgekehrt, und diese “Lehren” werden als eine katholische Geheimschrift ausgegeben. Am Ende ist außerdem eine satirische Umdichtung des Benedicite und des Gratias, also der Dankgebete vor und nach dem Essen, angefügt, die von Martin Luther stammt (vgl. D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. Weimar 1883 – 2009: WA 60 (1980), S. 173-179).

Von dieser Flugschrift von 1546 gab es eine niederdeutsche Übertragung von 1548 (VD16: P 310) sowie mehrere Nachdrucke: o. O. 1557 (VD16: P 308) und 1571 (vorh. in London BL und St. Peterburg NB), sowie in erweiterter Form o. O. 1556 (VD16: P 307) und 1559 (VD16: P 309, vgl. den Artikel dazu in diesem Wiki).


  • Die Erweiterung der beiden letzteren Auflagen besteht in einem Text mit dem Titel “Der Barfüsser Mönch zehn Gebote”, die der Herausgeber der gereimten Fassung des “Handbüchleins” von 1563 auch in seine Bearbeitung mit aufgenommen hat.

Die Schrift “Der Barfüsser Mönch zehn Gebote” war schon um 1550 einzeln als Flugschrift erschienen (VD16: B 363) und taucht später als Zutat in Erasmus Albers “Der Barfüsser Münche Eulenspiegel vnd Alcoran” von 1573 auf (VD16: A 1479). Aber dass Erasmus Alber der Autor dieser kurzen Schrift von 1550 sei, wie in WA 60 (1980) mit Berufung auf Oskar Schade (“Satiren und Pasquillen der Reformationszeit”, 1863, Bd. 2, S. 380) behauptet wird, ist nicht erwiesen, denn in der ersten Ausgabe von “Der Barfüsser Münche Eulenspiegel vnd Alcoran” von 1542 ist dieser Anhang nicht enthalten, ein weiterer Nachdruck davon mit der Erweiterung ist ohne Datierung (VD16: A 1478). Alber starb 1553.


  • Darüber hinaus hat der Herausgeber des “Handbüchleins” noch eine Reimbearbeitung der “Trias Romana” hinzugefügt, einer antirömischen Schrift, die schon 1519 gedruckt wurde und die von manchen Ulrich Hutten zugeschrieben wird. Wenn diese Zuschreibung auch nicht gesichert ist, so war die “Trias Romana” jedoch auf jeden Fall eine Vorlage für Huttens berühmten Dialog “Variscus” von 1520 (vgl. Josef Benzing:Ulrich von Hutten und seine Drucker. Eine Bibliographie der Schriften Huttens im 16. Jahrhundert. Wiesbaden 1956 (= Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen Bd. 6), S. 144-152.)

Zu den Auflagen der “Trias Romana” im 16. Jahrhundert vgl. den Artikel zu Trias Romana. Quaternio mundana. Der Welt Gattung.



Inhalt

Zum Inhalt des ersten und zweiten Teils der Schrift vgl. den Artikel zu Der Papisten Handbüchlein


Illustrationen

Titelholzschnitt:

Kardinalskollegium mit dem Papst auf seinem Thron im Zentrum, vor dem in der Rückenansicht ein Mönch (erkennbar an der Tonsur) mit einem Mantel und einer Schrift mit Sigel in der Hand steht.

Dies ist eine genaue Kopie des Titelholzschnitts eines Drucks mit einem Spiel gegen das Konzil von Trient von 1545 (VD16: C 4933 digital. Das verwendete Motiv findet sich in ähnlicher Ausführung auch in einem weiteren Holzschnitt, den der Nürnberger Drucker Hans Hergot 1524 zweimal verwendet hat, nämlich in VD16: T 1820 digital und in VD16: U 184 digital.

Die folgenden Bilder wurden zuvor in einem Bibeldruck (s. o. unter "Drucker")verwendet:

Bl. A2r: Zwei sitzende Mönche, denen von zwei hinter ihnen stehenden Barbierern die Tonsur geschnitten wird. In dem Bibeldruck war das die Illustration zu der Stelle im 3. Buch Mose, 21. Kapitel, in denen Gott Mose Anweisungen gibt, wie die Priester sich zu verhalten haben. Vers 5 lautet in der Lutherbibel: „Sie sollen auch keine Platte machen auf ihrem Haupt noch ihren Bart abscheren …“

Bl. A2v oben: Tanz um das Goldene Kalb Das Motiv wurde in Katechismusdrucken auch oft für die Illustration des Ersten Gebotes („Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“) verwendet.



Literatur:

Walter Behrendt: “Der Papisten Handbüchlein” von 1563 und seine biblischen Illustrationen. In: Daphnis 40 (2011), S. 535 - 565.