Änderungen

K
keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 142: Zeile 142:  
Menzel erwähnt Spangenberg mit keinem Wort, aber dieser war ebenfalls Verfasser eines Predigtzyklus' über den Katechismus von 1564, der bis dahin schon zehn Mal von verschiedenen Druckern wiederaufgelegt worden war. Obwohl der Erbsündenstreit in der Katechismusauslegung selbst nicht angesprochen wird, wird vor diesem Hintergrund klar, dass Roths Werk von nun an als Vorlage für die Katechismuspredigten der Mansfelder Pastoren dienen sollte.
 
Menzel erwähnt Spangenberg mit keinem Wort, aber dieser war ebenfalls Verfasser eines Predigtzyklus' über den Katechismus von 1564, der bis dahin schon zehn Mal von verschiedenen Druckern wiederaufgelegt worden war. Obwohl der Erbsündenstreit in der Katechismusauslegung selbst nicht angesprochen wird, wird vor diesem Hintergrund klar, dass Roths Werk von nun an als Vorlage für die Katechismuspredigten der Mansfelder Pastoren dienen sollte.
   −
Heinrich Roth selbst stellt in seiner darauf folgenden Vorrede vom 29. September 1572 zum ersten Teilband (Bl. g1r - i3v) am Ende fest, dass er an der ganzen Diskussion nicht interessiert sei. Seiner Meinung nach haben die philosophischen Begriffe der Substantia und des Accidens nichts mit der Theologie zu tun, Plato und Aristoteles hätten ihren Platz in der Schule, in der Kirche sollten sie schweigen.
+
Heinrich Roth selbst stellt in seiner darauf folgenden Vorrede vom 29. September 1572 zum ersten Teilband (Bl. g1r - i3v) am Ende fest, dass er an der ganzen Diskussion nicht interessiert sei. Seiner Meinung nach haben die philosophischen Begriffe der "Substantia" und des "Accidens" nichts mit der Theologie zu tun, Plato und Aristoteles hätten ihren Platz in der Schule, in der Kirche sollten sie schweigen.
      Zeile 159: Zeile 159:       −
=='''Exempel im zweiten Teil über die Haustafel, die nicht der Bibel entnommen sind:'''==
     −
4. Predigt über die Haustafel: "Von den Untertanen", Bl. 675r:  
+
=='''Exempel im zweiten Teil über die "Haustafel"!, die nicht der Bibel entnommen sind:'''==
   −
Der "Bewrische Auffrhur" von 1525, der von Thomas Müntzer ausgelöst wurde und bei dem in vier Wochen etwa 100.000 Bauern umgebracht wurden. Außerdem der Aufruhr der Wiedertäufer-Rotte von Münster, deren Anführer dann mit glühenden Zangen zerissen wurden und in einem Käfig an die Kirchmauer gehängt wurden.
+
 
 +
4. Predigt über die Haustafel: "Von den Untertanen":
 +
 
 +
Bl. 675r: Der "Bewrische Auffrhur" von 1525, der von Thomas Müntzer ausgelöst wurde und bei dem in vier Wochen etwa 100.000 Bauern umgebracht wurden. Außerdem der Aufruhr der Wiedertäufer-Rotte von Münster, deren Anführer dann mit glühenden Zangen zerissen wurden und in einem Käfig an die Kirchmauer gehängt wurden.
 
   
 
   
 
Bl. 676r: Herzog Rudolf von Schwaben, der sich vom Papst zum Aufruhr gegen Kaiser Heinrich IV. anstiften ließ. Der Papst schickte ihm eine Krone, auf der auf Lateinisch stand: Christus hat das Kaisertum dem Papst gegeben, nun gibt der Papst es dir, Rudolpho.
 
Bl. 676r: Herzog Rudolf von Schwaben, der sich vom Papst zum Aufruhr gegen Kaiser Heinrich IV. anstiften ließ. Der Papst schickte ihm eine Krone, auf der auf Lateinisch stand: Christus hat das Kaisertum dem Papst gegeben, nun gibt der Papst es dir, Rudolpho.
      −
5. Predigt: Vom Ehestand und Eheleuten (Bl. 690r):
+
5. Predigt: Vom Ehestand und Eheleuten:  
   −
Beschreibung eines allegorischen Bildes: Eine Mutter hat drei Kinder auf ihrem Schoß. Das eine hat ein Buch in der Hand, das ist der Lehrstand. Das andere hat ein Schwert, das ist der Wehrstand, und das dritte hat einen Dreschflegel, das ist der Nährstand. Die Mutter aber ist die Ehe.
+
(Bl. 690r) Beschreibung eines allegorischen Bildes: Eine Mutter hat drei Kinder auf ihrem Schoß. Das eine hat ein Buch in der Hand, das ist der Lehrstand. Das andere hat ein Schwert, das ist der Wehrstand, und das dritte hat einen Dreschflegel, das ist der Nährstand. Die Mutter aber ist die Ehe.
 
   
 
   
 
Diese Idee für ein Gemälde findet sich zuerst bei Erasmus Alber: Predigt vom Ehestand über die Hochzeit zu Kana, 1546.[[A 1515: Alber, Erasmus ; Predigt vom Ehestand über die Hochzeit zu Kana| VD16: A 1515]]
 
Diese Idee für ein Gemälde findet sich zuerst bei Erasmus Alber: Predigt vom Ehestand über die Hochzeit zu Kana, 1546.[[A 1515: Alber, Erasmus ; Predigt vom Ehestand über die Hochzeit zu Kana| VD16: A 1515]]
      −
6. Predigt: Vom Amt der Ehemänner und Eheweiber (Bl. 707v):
+
6. Predigt: Vom Amt der Ehemänner und Eheweiber:  
   −
Da das Exempel von dem alten Weib, das im Auftrage des Teufels ein Ehepaar durch eine Intrige gegeneinander aufbringt, schon im ersten Teil beim 6. Gebot erzählt wurde, ebenso wie das Exempel von dem Basler Ehemann, der wegen eines Paars Hosenbänder, die die Frau einem Diener geschenkt hatte, sie der Untreue verdächtigt und sie schließlich umbringt, setzt Roth an diese Stelle ein zeitgenössisches Exempel, das sich erst kürzlich in der Umgebung von Eisleben zugetragen habe:  
+
(Bl. 707v) Da das Exempel von dem alten Weib, das im Auftrage des Teufels ein Ehepaar durch eine Intrige gegeneinander aufbringt, schon im ersten Teil beim 6. Gebot erzählt wurde, ebenso wie das Exempel von dem Basler Ehemann, der wegen eines Paars Hosenbänder, die die Frau einem Diener geschenkt hatte, sie der Untreue verdächtigt und sie schließlich umbringt, setzt Roth an diese Stelle ein zeitgenössisches Exempel, das sich erst kürzlich in der Umgebung von Eisleben zugetragen habe:  
    
Ein Mann von 60 Jahren, der schon 3 Frauen und von ihnen 18 Kinder hat, hat eine Geliebte. Seine Frau antwortet ihm auf einen Befehl hin respektlos. Daraufhin will er sie züchtigen, aber sie hält den Knüppel fest. Da zieht er ein Messer und ersticht sie. Er wurde dafür geköpft und aufs Rad gebunden, auch seine Geliebt werde hoffentlich in Kürze noch bestraft werden.
 
Ein Mann von 60 Jahren, der schon 3 Frauen und von ihnen 18 Kinder hat, hat eine Geliebte. Seine Frau antwortet ihm auf einen Befehl hin respektlos. Daraufhin will er sie züchtigen, aber sie hält den Knüppel fest. Da zieht er ein Messer und ersticht sie. Er wurde dafür geköpft und aufs Rad gebunden, auch seine Geliebt werde hoffentlich in Kürze noch bestraft werden.
      −
8. Predigt: Pflichten der Kinder (Bl. 722r):
+
8. Predigt: Pflichten der Kinder:  
   −
Ein Kind bemerkt, dass seine Eltern sich vor der Art, in der der altersschwache Großvater isst, ekeln, so dass sie ihn nicht mehr an dem gemeinsamen Tisch essen lassen wollen. Deshalb bastelt es einen Holztrog, aus dem seine Eltern essen sollen, wenn sie einmal alt sind. (Vgl. zu diesem Exempel: Enzyklopädie des Märchens, Bd. 6 (1990), Sp. 252-256.)  
+
Bl. 722r Ein Kind bemerkt, dass seine Eltern sich vor der Art, in der der altersschwache Großvater isst, ekeln, so dass sie ihn nicht mehr an dem gemeinsamen Tisch essen lassen wollen. Deshalb bastelt es einen Holztrog, aus dem seine Eltern essen sollen, wenn sie einmal alt sind. (Vgl. zu diesem Exempel: Enzyklopädie des Märchens, Bd. 6 (1990), Sp. 252-256.)  
    
Roth legt dieses Exempel nicht in Bezug auf das Verhalten des Kindes aus, sondern auf die Pflichten der Eltern: Eine Verzärtlung der Kinder führe später leicht zu Ekelgefühlen gegenüber älteren Menschen. Als positives Exempel erinnert Roth an das Bild der Störche, die ihre alt gewordenen Eltern versorgen.
 
Roth legt dieses Exempel nicht in Bezug auf das Verhalten des Kindes aus, sondern auf die Pflichten der Eltern: Eine Verzärtlung der Kinder führe später leicht zu Ekelgefühlen gegenüber älteren Menschen. Als positives Exempel erinnert Roth an das Bild der Störche, die ihre alt gewordenen Eltern versorgen.
Zeile 203: Zeile 205:       −
9. Predigt: Vom Amt der Knechte und Mägde (Bl. 737r)
+
9. Predigt: Vom Amt der Knechte und Mägde:
   −
Eine Magd aus Sangerhausen ist zu faul, die Asche, die sie ausschütten soll, an einen sicheren Ort zu bringen, und schüttet sie auf den Misthaufen. Dieser fängt Feuer, und zwei Häusergassen brennen ab. Das ist 1519 geschehen.
+
Bl. 737r Eine Magd aus Sangerhausen ist zu faul, die Asche, die sie ausschütten soll, an einen sicheren Ort zu bringen, und schüttet sie auf den Misthaufen. Dieser fängt Feuer, und zwei Häusergassen brennen ab. Das ist 1519 geschehen.
    
Bl. 745v-747v: Lied vom Mord an Victor Schenitz in Halle, am 18. Juni 1572.  
 
Bl. 745v-747v: Lied vom Mord an Victor Schenitz in Halle, am 18. Juni 1572.  
Zeile 214: Zeile 216:       −
12. Predigt: Vom Amt der Witwen (Bl. 770v)
+
12. Predigt: Vom Amt der Witwen:
   −
Roth erfindet hier ein Exempel, um zu erläutern, was die Ermahnung bedeute, "Ärgernis" zu vermeiden. Eine Witwe wiederverheiratet sich schon sehr bald nach dem Tod ihres Mannes. Aber von dem neuen Mann wird sie ausgenutzt und schon nach kurzer Zeit verlassen. Dies beobachtet ein anderer Mann, ein grober Mensch, der dann seine eigene Frau mit dieser Geschichte traktiert, weil er ihr ähnliche Pläne unterstellt.
+
Bl. 770v  Roth erfindet hier ein Exempel, um zu erläutern, was die Ermahnung bedeute, "Ärgernis" zu vermeiden. Eine Witwe wiederverheiratet sich schon sehr bald nach dem Tod ihres Mannes. Aber von dem neuen Mann wird sie ausgenutzt und schon nach kurzer Zeit verlassen. Dies beobachtet ein anderer Mann, ein grober Mensch, der dann seine eigene Frau mit dieser Geschichte traktiert, weil er ihr ähnliche Pläne unterstellt.
      −
14. Predigt: Jeder lerne sein' Lektion (Bl. 794r)
+
14. Predigt: Jeder lerne sein' Lektion:
   −
Roth berichtet, in den Kirchen habe man früher oft ein Bild von einem Schiff im stürmischen Meer gehabt. In dem Schiff saßen die Kleriker, und im Wasser waren die Laien, die ohne die Hilfe der Kleriker nicht ins sichere Schiff kommen konnten. Diese Darstellung, die in der Papstkirche üblich war, sei aber falsch.
+
Bl. 794r:  Roth berichtet, in den Kirchen habe man früher oft ein Bild von einem Schiff im stürmischen Meer gehabt. In dem Schiff saßen die Kleriker, und im Wasser waren die Laien, die ohne die Hilfe der Kleriker nicht ins sichere Schiff kommen konnten. Diese Darstellung, die in der Papstkirche üblich war, sei aber falsch.
    
Roth hat dieses Negativ-Exempel wohl von Hieronymus Weller, der es in der Vorrede zu seinem Traktat "De officio ecclesiastico, politico et oeconomico libellus pius" von 1552 (VD 16: W 1822 und ZV 15481), der ersten eigenständigen Haustafelauslegung überhaupt, als abzulehnendes Gegenmodell zum Konzept der drei Stände vorstellt.  
 
Roth hat dieses Negativ-Exempel wohl von Hieronymus Weller, der es in der Vorrede zu seinem Traktat "De officio ecclesiastico, politico et oeconomico libellus pius" von 1552 (VD 16: W 1822 und ZV 15481), der ersten eigenständigen Haustafelauslegung überhaupt, als abzulehnendes Gegenmodell zum Konzept der drei Stände vorstellt.  
Anonymer Benutzer