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P 309: ; Der Papisten Handbüchlein (Quelltext anzeigen)
Version vom 14. Oktober 2011, 10:18 Uhr
, 10:18, 14. Okt. 2011keine Bearbeitungszusammenfassung
Der kurze Text ist in allen Ausgaben von "Der Papisten Handbüchlein" enthalten, darüber hinaus auch in:
Der kurze Text ist in allen Ausgaben von "Der Papisten Handbüchlein" enthalten, darüber hinaus auch in:
'''VD16-Nr.:''' H 3701
Hiltstein, Johann
Römische Kirchenpostill
o.O. 1562
Bl. D8v-E1r.
'''Ausgaben, in denen “Der Barfüsser Mönche zehn Gebote” enthalten ist:'''
'''Ausgaben, in denen “Der Barfüsser Mönche zehn Gebote” enthalten ist:'''
Der Text findet sich auch in der Ausgabe von 1556 (VD16: P 307), s. o., darüber hinaus auch in:
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== '''VD16-Link''' ==
== '''VD16-Link''' ==
Goslar StB: Hf 436
Goslar StB: Hf 436
Greifswald UB:
Greifswald UB: 542/ Fh 357 adn 6 (vermisst 1945)
London BL: 1226.a.61
London BL: 1226.a.61
Die erste Frage lautet: “Wie soll sich ein geistlos papistischer Bischof, Pfarrherr, Prediger halten in seinem Beruf?“ Antwort: „Ein geistlos papistisch bischof, pfarherr, prediger, tumher, vicarus sol ungelehrt und eines bösen Lebens sein, soll sich des Evangelions beschämen und sein Leben in aller Büberei und Schanden zubringen.”
Die erste Frage lautet: “Wie soll sich ein geistlos papistischer Bischof, Pfarrherr, Prediger halten in seinem Beruf?“ Antwort: „Ein geistlos papistisch bischof, pfarherr, prediger, tumher, vicarus sol ungelehrt und eines bösen Lebens sein, soll sich des Evangelions beschämen und sein Leben in aller Büberei und Schanden zubringen.”
Es folgt die Frage: “ Wie soll er lehren?” mit der entsprechenden Antwort, und dann “Wie soll er leben?”. Wie in den didaktisch aufbereiteten Katechismen der Zeit wird auch gefragt, welche Verhaltensweisen gegen diese Gebote verstoßen, worauf die Antwort lautet: “Wann er die Wahrheit sagt, das Evangelion prediget und nach Gottes Wort gedenkt, ein ehrbar christlich Leben zu führen und sondert sich von den römischen Geistlichen und hält sich zu den evangelischen Predigern und Christen.” Abgefragt wird das angeblich erwünschte Verhalten der Predigtzuhörer. Es handelt sich also um eine sehr simple satirische Umkehrung positiver Lehren.
Es folgt die Frage: “ Wie soll er lehren?” mit der entsprechenden Antwort, und dann “Wie soll er leben?”. Wie in den didaktisch aufbereiteten Katechismen der Zeit wird auch gefragt, welche Verhaltensweisen gegen diese Gebote verstoßen, worauf die Antwort lautet: “Wann er die Wahrheit sagt, das Evangelion prediget und nach Gottes Wort gedenkt, ein ehrbar christlich Leben zu führen und sondert sich von den römischen Geistlichen und hält sich zu den evangelischen Predigern und Christen.” Abgefragt wird anschließend auch das angeblich erwünschte Verhalten der Predigtzuhörer mit der entsprechenden verkehrten Antwort. Es handelt sich also um eine sehr simple satirische Umkehrung positiver Lehren.
Der nächste Abschnitt des ersten textes trägt die Überschrift “Das ander Teil”. Hier wird nach dem Verhalten der Priester gegenüber der Obrigkeit gefragt und dann nach der Quelle für diese Verhaltensanweisung: “Wo steht das geschrieben?” Als Antwort wird aus päpstlichen Dekreten zitiert. Die darauf folgenden Fragen jedoch, wie sich die Obrigkeit und dann, wie sich die Untertanen gegenüber den katholischen Priestern verhalten sollen, fallen aus dem satirischen Modus heraus. Denn bei der Obrigkeit lautet die Antwort, sie solle die katholischen Priester zwingen, ihre Lehren am Evangelium zu orientieren. Als Quelle für diese Anweisung werden Zitate von Christus aus dem Matthäusevangelium zitiert. Und die Untertanen werden in gleicher Weise aufgefordert, den Umgang mit katholischen Priestern zu meiden.
Der nächste Abschnitt des ersten Textes trägt die Überschrift “Das ander Teil”. Hier wird nach dem Verhalten der Priester gegenüber der Obrigkeit gefragt und dann nach der Quelle für diese Verhaltensanweisung: “Wo steht das geschrieben?” Als Antwort wird aus päpstlichen Dekreten zitiert. Die darauf folgenden Fragen jedoch, wie sich die Obrigkeit und dann, wie sich die Untertanen gegenüber den katholischen Priestern verhalten sollen, fallen aus dem satirischen Modus heraus. Denn bei der Obrigkeit lautet die Antwort, sie solle die katholischen Priester zwingen, ihre Lehren am Evangelium zu orientieren. Als Quelle für diese Anweisung werden Zitate von Christus aus dem Matthäusevangelium angeführt. Und die Untertanen werden in gleicher Weise aufgefordert, den Umgang mit katholischen Priestern zu meiden.
Im dritten Abschnitt geht es in den Fragen um das Verhalten der Priester gegenüber ihren Köchinnen, und dann um das der Köchinnen gegenüber den Priestern. Natürlich wird in den Antworten zu Streit und zu Schlägen aufgefordert, zur Nachlässigkeit im Haushalt und zur Unterschlagung. Im vierten Abschnitt handeln die Fragen und Antworten schließlich vom Verhalten gegenüber den Eltern und das der Eltern gegenüber den Kindern.
Im dritten Abschnitt geht es in den Fragen um das Verhalten der Priester gegenüber ihren Köchinnen, und dann um das der Köchinnen gegenüber den Priestern. Natürlich wird in den Antworten zu Streit und zu Schlägen aufgefordert, zur Nachlässigkeit im Haushalt und zur Unterschlagung. Im vierten Abschnitt handeln die Fragen und Antworten schließlich vom Verhalten gegenüber den Eltern und das der Eltern gegenüber den Kindern.
Aus diesem Inhaltsüberblick wird deutlich, dass die Satire sich nicht am eigentlichen Katechismus orientiert, sondern an den Lehrsätzen, die Luther aus den Paulusbriefen gezogen und seinem Kleinen Katechismus von 1529 unter dem Titel “Haustafel” beigegeben hat. Darin werden die drei Hauptstände der Gesellschaft angsprochen: die Geistlichen und die Zuhörer (“ecclesia”), die Obrigkeit und die Untertanen (“politia”) und der Hausstand mit Eheleuten sowie Eltern und Kindern (“oeconomia”). Die Haustafel Luthers enthielt anfangs zwar noch nicht die Zuhörer und die Untertanen, aber diese beiden Stände, die jeweils den Predigern und der Obrigkeit gegenüber stehen, wurden sehr bald von anderer Hand hinzugefügt. Die Haustafel Luthers handelt außerdem noch von Hausherrschaft und Gesinde, von jungen Leuten und von Witwen, aber diese einzelnen Stände wurden der “oeconomia” zugerechnet, in deren Zentrum das Ehepaar stand. In der vorliegenden Satire ist die Ehefrau durch die Köchin des Pfaffen ersetzt.
Aus diesem Inhaltsüberblick wird deutlich, dass die Satire sich nicht am eigentlichen Katechismus orientiert, sondern an den Lehrsätzen, die Luther aus den Paulusbriefen gezogen und seinem Kleinen Katechismus von 1529 unter dem Titel “Haustafel” beigegeben hat. Darin werden die drei Hauptstände der Gesellschaft angesprochen: die Geistlichen und die Zuhörer (“ecclesia”), die Obrigkeit und die Untertanen (“politia”) und der Hausstand mit Eheleuten sowie Eltern und Kindern (“oeconomia”). Die Haustafel Luthers enthielt anfangs zwar noch nicht die Zuhörer und die Untertanen, aber diese beiden Stände, die jeweils den Predigern und der Obrigkeit gegenüber stehen, wurden sehr bald von anderer Hand hinzugefügt. Die Haustafel Luthers handelt außerdem noch von Hausherrschaft und Gesinde, von jungen Leuten und von Witwen, aber diese einzelnen Stände wurden der “oeconomia” zugerechnet, in deren Zentrum das Ehepaar stand. In der vorliegenden Satire ist die Ehefrau durch die Köchin des Pfaffen ersetzt.
Der zweite Text der Kompilation ist eine in ähnlicher Weise wie der vorhergehende Text gebildete parodistisch-polemische Verkehrung von vier Gebeten: die Tischgebete Benedicite und Gratias, das Vater Unser und das Ave Maria. Der Text findet sich auch in den handschriftlich überlieferten Abschrift von Luthers Briefen, die Georg Rörer angelegt hat. Gedruckt wurde er offenbar zuerst 1546 als Teil der ersten Ausgabe von “Der Papisten Handbüchlein”. Vgl. WA 60, S. 173.
Der zweite Text der Kompilation ist eine in ähnlicher Weise wie der vorhergehende Text gebildete parodistisch-polemische Verkehrung von vier Gebeten: die Tischgebete Benedicite und Gratias, das Vater Unser und das Ave Maria. Der Text findet sich auch in den handschriftlich überlieferten Abschrift von Luthers Briefen, die Georg Rörer angelegt hat. Gedruckt wurde er offenbar zuerst 1546 als Teil der ersten Ausgabe von “Der Papisten Handbüchlein”. Vgl. WA 60, S. 173.
Oskar Schade, Satiren und Pasquille aus der Reformationszeit Bd. II, Hannover 1863, ND Hildesheim 1966, Nr. XXIV, S. 264-274 bemerkt auf S. 380: “Das Lied ist eine satirische Umdichtung eines älteren von gleichem Anfange, s. Vehes Gesangbuch, hrsg. v. Hoffmann [von Fallersleben] S. 8fgg 130.”
Oskar Schade, Satiren und Pasquille aus der Reformationszeit Bd. II, Hannover 1863, ND Hildesheim 1966, Nr. XXIV, S. 264-274 bemerkt auf S. 380: “Das Lied ist eine satirische Umdichtung eines älteren von gleichem Anfange, s. Vehes Gesangbuch, hrsg. v. Hoffmann [von Fallersleben] S. 8fgg 130.”
Schade hat in seiner Edition der gesamten Flugschrift für den Teil “Der Barfüsser Mönche zehn Gebote” die seiner Meinung nach bessere Version des Textes zugrunde gelegt, die er in der Ausgabe von 1573 von Erasmus Albers “Der Barfüsser Mönche Eulenspiegel und Alcoran”(VD 16: A 1479) vorfand. Die Herausgeber der Weimarer Ausgabe der Werke Luthers haben daraus geschlossen, dass die Urheberschaft Albers für diesen Teiltext gesichert sei (vgl. WA 60, S. 174). In der ersten Ausgabe von Albers Schrift von 1542 (VD16: A 1477) sind die Zehn Gebote aber noch nicht enthalten, sondern erst in der undatierten Neuauflage, die im VD16 auf “um 1555” geschätzt wird (VD16: A 1478). Möglicherweise kam diese Ausgabe also erst nach dem Tod Albers (1553) heraus.
Schade hat in seiner Edition der gesamten Flugschrift für den Teil “Der Barfüsser Mönche zehn Gebote” die seiner Meinung nach bessere Version des Textes zugrunde gelegt, die er in der Ausgabe von 1573 von Erasmus Albers “Der Barfüsser Mönche Eulenspiegel und Alcoran”(VD 16: A 1479) vorfand. Die Herausgeber des 60. Bandes der Weimarer Ausgabe haben daraus geschlossen, dass die Urheberschaft Albers für diesen Teiltext gesichert sei (vgl. WA 60, S. 174). In der ersten Ausgabe von Albers Schrift von 1542 (VD16: A 1477) sind die Zehn Gebote aber noch nicht enthalten, sondern erst in der undatierten Neuauflage, die im VD16 auf “um 1555” geschätzt wird (VD16: A 1478). Möglicherweise kam diese Ausgabe also erst nach dem Tod Albers (1553) heraus.