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ZV 7449: Has, Kunz; Von etlichen Stenden der Welt (Von der Welt Lauf) (Quelltext anzeigen)
Version vom 19. März 2012, 17:54 Uhr
, 17:54, 19. Mär. 2012interne Links
'''VD16-Nr.:''' H 696
'''VD16-Nr.:''' [[H 696: Voigt, Valentin; Ein Gesprech des Herren mit Sanct Peter von der jetzigen Welt Lauff| H 696]]
In: [Valentin Voigt]
In: [Valentin Voigt]
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== '''VD16-Link''' ==
== '''VD16-Link''' ==
Der Titel der Inkunabeldrucke lautet:
Der Titel des Inkunabeldrucks von 1492 lautet:
''Ein hübss neues gedicht, das itzund vo[n] der werlt lauff spricht''
''Ein hübss neues gedicht, das itzund vo[n] der werlt lauff spricht''
Der vorliegende Druck verwendet zum ersten Mal den neuen Titel, während die Wendung "Von der Welt Lauf" in einem Gedicht von Hans Sachs verwendet wird und dann im Titel eines Gedichts von Valentin Voigt, das ab 1560 zusammen mit dem Text von Kunz Has in verschiedenen Sammelausgaben erscheint.
Der vorliegende Druck verwendet zum ersten Mal den neuen Titel, während die Wendung "Von der Welt Lauf" in einem Gedicht von Hans Sachs verwendet wird (“Ein Gespräch zwischen Sanct Peter und dem Herren von der jetzigen Welt Lauf”, ca. 1555; VD16: S 337, S 338, S 339, S 340, S 341, ZV 13492; Incipit: “Die Alten haben uns ein Fabel...”), sodann im Titel eines Gedichts von Valentin Voigt, das ab 1560 zusammen mit dem Text von Kunz Has in verschiedenen Sammelausgaben erscheint (vgl. [[H 696: Voigt, Valentin; Ein Gesprech des Herren mit Sanct Peter von der jetzigen Welt Lauff| H 696]]).
== '''Inhalt:''' ==
== '''Inhalt:''' ==
Der Ich-Erzähler berichtet von einem wundersamen “Abenteuer”, das ihm beim Krebse-Fangen zugestoßen sei. Als er mit den Händen im Wasser nach Krebsen suchte, ergriff ihn plötzlich aus dem Wasser eine Hand und zog ihn nach unten. Er konnte sich nicht wehren, aber er erlitt unter Wasser keinen Schaden. Eine Frau führte ihn am Grund des Gewässers in eine prächtige Halle, wo er nun auf drei weise alte Männer traf.
Der Ich-Erzähler berichtet von einem wundersamen “Abenteuer”, das ihm beim Krebse-Fangen zugestoßen sei. Als er mit den Händen im Wasser nach Krebsen suchte, ergriff ihn plötzlich aus dem Wasser eine Hand und zog ihn nach unten. Er konnte sich nicht wehren, aber er erlitt unter Wasser keinen Schaden. Eine Frau führte ihn am Grund des Gewässers in eine prächtige Halle, wo er auf drei weise alte Männer traf.
Hier beginnt nun der Hauptteil des Gedichtes, in dem dem Ich-Erzähler Fragen gestellt werden und er um Auskunft über den Zustand der oberen Welt gebeten wird. Zuerst spricht er über die Misere der Kaufleute, die auf ihren Waren sitzen bleiben, weil nicht genug Geld im Land sei, so dass sie durch ihre festen Kosten am Ende gezwungen werden, ihr Geschäft aufzugeben. Dann kommt die Sprache auf das Geldwesen, das von verbreiteter Münzfälschung betroffen sei. Die dritte Frage gilt den Frauen, von denen der Erzähler ebenfalls nur Negatives berichten kann, denn Unkeuschheit und Ehebruch gebe es nun überall, auch die Ehemänner seien nicht besser, und auch nicht Priester und Obrigkeit, die das Treiben eigentlich unterbinden müssten. Dann wird er nach Klagen über die Richter gefragt, die genauso gescholten werden, weil Arme, die kein Geld für Bestechung hätten, niemals ihr Recht bekämen.
Hier beginnt nun der Hauptteil des Gedichtes, in dem dem Ich-Erzähler Fragen gestellt werden und er um Auskunft über den Zustand der oberen Welt gebeten wird. Zuerst spricht er über die Misere der Kaufleute, die auf ihren Waren sitzen bleiben, weil nicht genug Geld im Land sei, so dass sie durch ihre festen Kosten am Ende gezwungen werden, ihr Geschäft aufzugeben. Dann kommt die Sprache auf das Geldwesen, das von verbreiteter Münzfälschung betroffen sei. Die dritte Frage gilt den Frauen, von denen der Erzähler ebenfalls nur Negatives berichten kann, denn Unkeuschheit und Ehebruch gebe es nun überall. Die Ehemänner seien keinesfalls besser, und auch nicht Priester und Obrigkeit, die das Treiben eigentlich unterbinden müssten. Dann wird der Erzähler nach Klagen über die Richter gefragt, die von ihm genauso gescholten werden, weil Arme, die kein Geld für Bestechung hätten, niemals ihr Recht bekämen.
Die drei weisen Männer erklären dem Erzähler, dass der Grund für alle Missstände darin liege, dass niemand mehr Bauer sein wolle. Viele betätigten sich improvisierend als Handwerker, was sie gar nicht gelernt hätten. Wenn er die Regierungsmacht inne hätte, dann müsse er zuerst dafür sorgen, dass auf dem Land kein Handel mehr getrieben werde, sondern allein in der Stadt. Auch die Schwierigkeiten der Kaufleute hätten damit begonnen, dass die Schneider Tuch verkauften. Durch den Buchdruck kämen jetzt viele einfache Leute auf die Idee, Gewerbe zu betreiben, die ihnen gar nicht zukämen, etwa als Krämer, die übers Land zögen und billiges Zeug verkauften, wodurch die Kaufleute ihre Arbeit verlören. Auch das Münzwesen müsse viel genauer kontrolliert werden. Was die Frauen betrifft, gelte es, für eine sorgfältigere Erziehung der Töchter zu sorgen, die den Kontakt mit der Öffentlichkeit so weit als möglich meiden sollten. Bei den den untreuen Juristen dagegen helfe nur Hoffnung, dass die Einsicht in die Notwendigkeit von gerechten Verhältnissen und die Sorge um das eigene Seelenheil zu einer Besserung führten.
Die drei weisen Männer erklären dem Erzähler, dass der Grund für alle Missstände darin liege, dass niemand mehr Bauer sein wolle. Viele betätigten sich improvisierend als Handwerker, was sie gar nicht gelernt hätten. Wenn er die Regierungsmacht inne hätte, dann müsse er zuerst dafür sorgen, dass auf dem Land kein Handel mehr getrieben werde, sondern allein in der Stadt. Auch die Schwierigkeiten der Kaufleute hätten damit begonnen, dass die Schneider Tuch verkauften. Durch den Buchdruck kämen jetzt viele einfache Leute auf die Idee, Gewerbe zu betreiben, die ihnen gar nicht zukämen, etwa als Krämer, die übers Land zögen und billiges Zeug verkauften, wodurch die Kaufleute ihre Arbeit verlören. Auch das Münzwesen müsse viel genauer kontrolliert werden. Was die Frauen betrifft, gelte es, für eine sorgfältigere Erziehung der Töchter zu sorgen, die den Kontakt mit der Öffentlichkeit so weit als möglich meiden sollten. Bei den den untreuen Juristen dagegen helfe nur die Hoffnung, dass die Einsicht in die Notwendigkeit von gerechten Verhältnissen und die Sorge um das eigene Seelenheil zu einer Besserung führten.
Danach wird der Erzähler wieder von der Wasserfrau aus dem Unterwasser-Palast herausgeführt, mit dem Auftrag, den Mächtigen der Welt die erfahrenen Weisheiten weiterzuvermitteln.
Danach wird der Erzähler wieder von der Wasserfrau aus dem Unterwasser-Palast herausgeführt, mit dem Auftrag, den Mächtigen der Welt die erfahrenen Weisheiten weiterzuvermitteln.